Dort wird u.a. aufgezeigt, dass viele Wörter im normalen (Berliner) Sprachgebrauch ursprünglich dem Französischen entlehnt sind. Das liegt wohl vor allem daran, dass im 17. und 18. Jahrhundert der Adel mehr französisch als deutsch gesprochen hat. Die deutschprachigen haben dann zum einfacheren Erlernen meist beide Wörte verbunden ausgesprochen. Ganz besonders spannend fand ich da das beliebte Zeitvertreibspiel “Keesekästchen”. Das kommt laut dem Büchlein von la caisse = der Kasten. Oder auch gut: klammheimlich kommt von clam (lat.) = heimlich.
aus dem Polnischen, u.a.: Großkotz, Kabache, Pennunze, Pomade, dalli
aus dem Jiddischen, u.a.: Kaschemme, mauscheln, meschugge, Mischpoche, Ramsch, Schmu, schnorren, schofel
aus dem Lateinischen, u.a.: Lokus, Moneten, Palaver, Pelle, Pulle, Tempo, famos, fatal, intus, kapieren, kolossal, simulieren
“totschick” kommt von “tout chic”
der Stadtteil “Moabit” kommt von französischen Aussiedlern, die dort vergebens Obst und Gemüse anbauen wollten: la terre de Moab bzw. la terre maudite - das verfluchte, sehr schlechte Land
viele Speisen wurden von den Franzosen importiert: boulette = Fleischkügelchen, ragoût fin haben wir den Hugenotten zu verdanken und aus griebelettes, kleinen in Speck gebratenen Fleischstückchen wurde Griebenschmalz.
Des weiteren wurden französische Begriffe eingedeutscht: Püree, Karotten, Eclair, Filet, Frikassee, Kotelett, Omelett, Roulade
im weiteren Sprachgebrauch: Amusement, Canaille, Cousine, Couvert, Kommode, Malheur, Misère, Parterre, Pissoir, Portemonnaie, penibel, perdu, Rage, Salon, Skandal
besonders kompliziert einzudeutschen: Balkon, Bravour, Chance, Pedant, Milieu, Revanche, Sabotage, Vase
“passieren” von se passer = sich ereignen, stattfinden
das “Karree” kommt von carré = Geviert, Quadrat, viereckiger Häuserblock
Pleonasmus, den man kennen könnte: Deez-Kopp (Deez = Berliner Schnauze für
tête)
weitere Umwandlungen: trottoir → Trittoar, fête → Fetz/Fete, adroit → adrett, propre → proper, vif (lebendig) → gewieft, clameur (Geschrei) + clameux (lärmend) → Klamauk, de la bredouille (Tricktrack, Matsch) → Bredulje (Verlegenheit, Klemme), pleurer (weinen) → plärren, jmd. eine chance geben → ihm etwas zuschanzen, la pique (Groll) → “Sie hat 'ne Pike uff mir”, les bottines (Stiefel) → Botten
die Ratte beim Bowling kommt von raté (Versager, Blindgänger) bzw. rater (verfehlen)
“etepetete” kommt von être peut-être = im Zweifel sein
“Kommißbrot” kommt nicht aus dem lat. Kommiß (Truppe, Heer) sondern, da - mangels Militärbäckereien - Brot für die Soldaten in der Stadt von commissionaires aufgekauft wurde, von “Kommissionärsbrot”
qincailleries (metallene Haushaltswaren bzw. wertlose Kleinigkeiten, blecherner Schnickschnack) → Kinkerlitzchen
querelle (Querelen) → krakehlen
“Muckefuck” kommt vom mocca faux, falschem Kaffee, einem sehr dünnen Kaffeeaufguss (wegen hohem Kaffeezoll), der mittels Chicoree-Extrakten schwarz eingefärbt wurde
moi tout seul = ich ganz allein, wird mittels Pleonasmus zu “mutterseelenallein”
“Fisimatenten” könnte sich zweierlei ableiten:
abgeleitet von der Ausrede für zu spät zurückkehrende Soldaten j'ai visité ma tante (=Ich hab meine Tante besucht.) im Sinne von “faule Geschichte, Umstände”
von visitez ma tente, womit napoleonische Soldaten wohl gern willige Mädchen in ihr Zelt eingeladen haben (Mutter an Tochter: “Mach mir keene Fisimatenten!”)
“Zislaweng”, mit Schwung, kommt von ainsi cela vient = “so kommt das”, im Sinne von: Geschicklichkeit ist keine Hexerei
der “große Onkel” (großer Zeh am Fuß) kommt vom ongle, dem Nagel an der Zehe, Fußklaue
“blümerant” kommt von bleu mourant, ein sterbendes, blasses Blau mit dem Friedrich II. sein Porzellanservice verzieren ließ. Im Sinne von “übelerregend”.
“Happen” (Essen) kommt vom happée = Bissen
“Sich einen uff die Lampe gießen” kommt von lamper = übermäßig, in kräftigen Zügen trinken bzw. la lampée = tüchtiger Schluck
“Es ist alle.” im Sinne von aufgebraucht, verbraucht geht zurück auf zwei hugenottische Schwestern, die an der Jungfernbrücke selbstgemachte Stickereien anboten. War ein Muster ausverkauft, hieß es ”c'est allé” = es ist ausgegangen, aufgebraucht.
“mausetot” kommt wahrscheinlich von mort aussitôt bzw. mort si tôt (sofort, sehr schnell, sogleich tot)
“Scheese” (Fahrzeug, Auto) kommt vielleicht von la chaise = der Stuhl, im Sinne von fahrendem Stuhl (vgl. Sänfte = porte-chaise); eher aber vom Hugenotten Philippe de Chièze, der einen gefederten Kutschenwagen erfunden hatte. Die Berliner nannten das Gefährt nach dem Erfinder, wie z.B. auch der Kremser nach Simon Kremser benannt wurde
bei “bonfortionös” (großartig, herrlich) ist die Herkunft von bonne fortune (gut Glück) ungewiß
in den napoleonischen Besatzungsjahren haben einige Immigranten ihre Nachnamen eingedeutscht: aus ”Le Jeune” wurde Jung, Moineau → Sperling, Laforge → Schmidt (man denke an Star Trek: “Wie steht es um den Warp Antrieb, Herr Schmidt?” ), Malin → Boes/Bös, Blanc → Weiß
Beim Trinken anstoßen “auf General Knusemong” kommt von en général que nous aimons = insbesondere auf das, was wir lieben/mögen